Blog des volontaires / Freiwilligenblog

Cette année, le Centre culturel franco-allemand accueille trois volontaires franco-allemandes en service civique – dans les domaines du jumelage Nantes-Sarrebruck (Volontariat franco-allemand des territoires), de l’environnement (Volontariat écologique) et de la culture (Volontariat culturel). Pour nos trois collègues, il s’agit de la première expérience d’un long séjour à l’étranger. Pour montrer un peu en quoi consiste cette vie de volontariat dans un pays étranger et pour donner envie de franchir le pas et de s’engager dans une expérience de mobilité, nous avons décidé de mettre en place un blog des volontaires. Sur ce blog, elles partageront tour à tour leurs expériences diverses à l’étranger, les obstacles auxquels elles ont du faire face et les rencontres et échanges qui ont marqué leur année :


Blogeintrag #1 2019/2020 von Ricarda Röhrs

Ein Monat ist mittlerweile vergangen seit ich hier angekommen bin, in Nantes, dieser wunderschönen Stadt. Da ich leider nur gut 3 ½ Monate bleiben werde, versuche ich von Tag zu Tag etwas mehr nach dem Motto zu leben « Nimm mit, was geht », denn die Zeit rennt einfach viel zu schnell.

Aber ganz von vorne : Da sich meine Wohnungssuche leider schwieriger gestaltet hat als gedacht, habe ich die Suche irgendwann aufgegeben und mir von Deutschland aus ein AirBnB-Zimmer hier für den September gemietet, welches leider sehr teuer ist. So wollte ich die erste Woche gerne etwas Geld sparen. Bekannte hatten mir schon öfter von der Internetseite « couchsurfing » berichtet, welche eine tolle Möglichkeit ist, günstig zu reisen und bereits Menschen aus der Stadt kennenzulernen. Also habe ich viele Leute angeschrieben und gehofft, eine positive Antwort zu bekommen. Dies stellte ich sich leider doch gar nicht so leicht raus, da ich gerne knapp 1 ½ Wochen bleiben wollte und Ende August natürlich Urlaubszeit ist. Letztendlich hat sich aber doch ein Typ in meinem Alter gemeldet. Hier angekommen konnte ich sogar feststellen, dass er direkt in der Innenstadt wohnt und auch , wenn wir zwischenmenschlich nicht ganz auf einer Wellenlänge waren, bin ich sehr dankbar dafür, die ersten Nächte in einer coolen Wohnung so zentral gewohnt zu haben. Und ein paar leckere Gerichte gab es auch noch in der Zeit! Das Prinzip von Couchsurfing ist aber natürlich nicht nur nehmen, sondern auch geben : Als Dank für die Gastfreundschaft habe ich für meinen Gastgeber immer mal wieder eingekauft und auch auch mal gekocht. Durch den Typ konnte ich in der ersten Woche bereits einige junge Leute hier kennenlernen und er hat mir schon einige Orte in der Stadt und einen der vielen Strände um Nantes gezeigt.

Mittlerweile lebe ich jetzt in dem AirBnB-Zimmer, werde aber Ende des Monats noch zu einer Einheimischen und ihrem jugendlichen Sohn ziehen, wo ich dann die nächsten Wochen verbringen werde. Die Frau habe ich auch nur kennengelernt, da sie bereits einen der Freundes meines Couchsurfinggastgebers beherbergt hat – noch ein Vorteil meiner ersten Couchsurfing-Erfahrung.

Ansonsten habe ich in meiner ersten Zeit hier natürlich schon einiges an Leckereien probiert – französische Boulangerien sind einfach der Himmel auf Erden für Leute wie mich. Ich liebe Essen einfach viel zu sehr : klassische Croissants (die ich hier leider noch gar nicht probiert habe…), Pain au chocolat und Baguettes natürlich ! Meine Neuentdeckung ausserdem : Mandelcroissants, diese Mischung aus Croissant und dem deutschen Mandelhörnchen ist einfach zu gut ! Ausserdem habe ich mein Herz bereits an Apéros verloren, welche ich so weder aus meinen vorherigen Aufenthalten in Frankreich kannte noch aus Deutschland in diesem Rahmen .

Ansonsten bin ich immer wieder begeistert davon, was diese Stadt alles zu bieten hat : Konzerte, zahlreiche Restaurants (Crêpes und Galettes gehören hier natürlich auch zum Pflichtprogramm) und die 1001 Ausstellungen … Manchmal weiss ich gar nicht, was ich an den Wochenenden machen soll, es gibt halt einfach viel zu viel !

Ich nehme jetzt also erstmal noch mit, was geht, und freue mich auf die kommende Zeit , die ich jetzt schon viel zu kurz finde. Also auch vor allem viel zu kurz, um sich über eine vielleicht nicht-perfekte Wohnungssituation und drei Umzüge zu ärgern.


Blogeintrag #2  von Natalie Ostendorf

Ich wohne nun länger als ein halbes Jahr in Frankreich, bald 10 Monate. Und da kommt man nicht drumherum, den einen oder anderen Unterschied zu bemerken, auch wenn die französische Kultur verhältnismässig nah an der deutschen ist.

Zuallererst : Das Prinzip vom müllfreien Leben scheint hier schon sehr viel mehr angekommen zu sein als bei uns. Dass es im Supermarkt unverpackt Nudeln, Reis, Linsen etc. zu kaufen gibt, können wir gerne übernehmen. Und gerade Nantes mit drei Unverpacktläden macht es einem herzlich leicht, seinen ökologischen Fussabdruck zumindest ein kleines bisschen zu verringern.

Dann etwas, das für uns Deutsche zunächst etwas gewöhnungsbedürftig war : die Essenszeiten. Es ist uns schon einige Male passiert, dass wir auf der Suche nach einem offenen Restaurant durch die Strassen gezogen sind und keines gefunden haben, dessen Türen schon offen für hungrige Deutsche waren.

Bleiben wir doch direkt beim Essen : Es gibt immer Dessert. Vielleicht, weil sie Meister darin sind, welches zu machen ?

Noch ein Punkt, den ich wirklich vermisse : Es gibt keine Drogeriemärkte. Und ich verstehe einfach nicht warum.

Eine Kleinigkeit, die mir jedoch immer wieder auffällt und mich herzlich beglückt – die Laternen. Ja, es ist ein vielleicht unwichtiges, vielleicht nichtssagendes Detail, aber es fällt mir bei jeder Reise wieder ins Auge. Französische Städte und Dörfer haben den deutschen allein durch ihre (meistens) wunderschönen, romantischen Laternen einiges voraus – wenn man in Deutschland durch ein kleines, ländliches Dorf läuft sind die simplen, funktionell gestalteten Laternen meistens eher weniger ein Element der Ästhetik und mehr eine Frage des Lichts. Inwieweit das schlimm ist, da lässt sich drüber streiten, aber ich freue mich auf jeden Fall immer wieder an den hübschen französischen Laternen.

Sehr befremdlich finde ich auch, dass alles mit Karte bezahlt wird. Da bin ich eigentlich gar kein Freund von, habe mich aber nach einigen Monaten hier dazu hinreissen lassen, diese Gewohnheit zu übernehmen.

Und ich bin mir sicher, dass Franzosen Temperatur anders wahrnehmen. Oder gar nicht. Es fängt damit an, dass sie selbst im tiefsten Winter auf den Terrassen ihr Bierchen trinken und geht weiter damit, dass ich unter 2 Pullovern, Schal und Wintermantel täglich mehreren Französinnen begegne, die in kurzem Sommerkleid und dünner Strumfphose unterwegs sind. Wie ist das möglich ?

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, hier vergeht die Zeit anders. Nicht im Sinne, dass ein Tag sich länger anfühlt oder die Wochen nicht so schnell vorbeifliegen, aber in dem Sinne, dass man sich Zeit nimmt, Zeit zu haben. Alles wirkt viel entschleunigter und entspannter und wenn ich durch die Stadt spaziere, liegt eine gewisse Leichtigkeit in der Luft.

Ein Punkt, an dem man das recht deutlich festmachen kann : 35-Stunden-Wochen.

Meine Oma sagt immer : Die Deutschen leben, um zu arbeiten, und die Franzosen arbeiten, um zu leben.

Wie Recht sie mal wieder hat.

Natalie – Volontaire culturelle au CCFA


Blogeintrag #1  von Natalie Ostendorf

Nun bin ich zwar schon über ein halbes Jahr in Nantes und würde behaupten, dass ich mich hier gut eingelebt habe, dennoch erinnere ich mich noch sehr gut an das Gefühl der Fremde, das wohltuende Gefühl der Neugier und der Frische bei meiner Ankunft.

Nach etwa 9 Stunden Zugfahrt mit einem furchtbaren Umstieg im riesigen Paris bin ich endlich im sonnigen Nantes angekommen, verlasse den Bahnhof und finde mich in völliger Orientierungslosigkeit. Vor mir : eine riesige Baustelle. Also laufe ich erst einmal (mithilfe der Navigation von Google Maps, denn ich habe ja keine Ahnung dass es eigentlich nur die Strasse runter ist) zu Bouffay, von wo aus ich die Tram nehmen kann. Auf dem Weg heim schon war ich überwältigt von der euphorischen Freude, jetzt tatsächlich hier zu sein – und zu bleiben ! Die schönen, hellen Gebäude, der Lieu Unique, das Schloss, die Loire … All das hat mich schon vom ersten Moment an Nantes lieben gelernt, bevor ich überhaupt richtig angekommen bin.

Und dann zum ersten Mal den Schlüssel in die eigene Wohnungstür hier stecken und zum ersten Mal « zu Hause » ankommen – was für ein Gefühl ! Vor Allem mit dem Wissen, wie schwierig es war, erst einmal an dieses « zu Hause » zu kommen. Ich kann berichten, eine Wohnung in Nantes zu finden, ist wirklich kein Spass. Besonders als Ausländerin erschien es mir nahezu unmöglich. Ich hatte das grosse Glück, vorher schon mit meinen Eltern nach Nantes gekommen zu sein und vor Ort gesucht haben zu können. Ich kann mich noch genau erinnern, was für Angst es mir gemacht hat, bei den französischen Vermietern anzurufen und auf französisch mit ihnen sprechen zu müssen. Die meisten Vermieter haben dann entweder die Besichtigung kurz vorher abgesagt, weil sie schon jemanden gefunden haben, oder aber sich im Nachhinein gar nicht mehr gemeldet. Die Wohnungssuche hat mich wirklich zum Verzweifeln gebracht und war mit der schlimmste Teil der Vorbereitung. Aber so war das Glück umso grösser, den Schlüssel schliesslich in der Hand zu halten und damit offiziell in Frankreich zu wohnen.

Nach einer Einweisung meiner Mitbewohnerin bezüglich Internet und Organisation etc., dem ersten Einkaufen und Auspacken bin ich viel zu ausgelaugt und überwältigt und glücklich, mich alleine zu fühlen und bin einfach nur zufrieden, endlich an dem Ort zu sein, an den ich mich so lange gewünscht habe.

Mein erstes Wochenende nutze ich für eine etwas blinde und von der Nase geführte Erkundung der Stadt, die mein Glück nur bestätigt. Es ist eine wunderschöne, lebendige und helle Stadt, die viel zu bieten hat. Es duftet nach französischer Viennoiserie und es liegt eine Leichtigkeit in der Luft, die vielleicht nicht nur mit der Stadt, sondern auch mit meiner neu gewonnen Freiheit zu tun hat.

Tatsächlich muss ich sagen, dass ich mich beinahe etwas erschlagen gefühlt habe von dieser zauberhaften Stadt. So viel Schönheit auf einmal, und so riesig, und so viel zu sehen und zu erleben. Man weiss gar nicht, wo man anfangen soll, und mein eher mässiger Orientierungssinn hat nicht gerade dazu beigetragen, dass ich mich zurechtfinde. Aber es war ein gutes Erschlagen-sein, eines, dass die Neugier füttert und einem den Eindruck gibt, sich nie an der Stadt satt sehen zu können.

Mittlerweile kommt mir die Stadt wie ein Zuhause vor, sie erscheint mir viel kleiner und familiärer, ich weiss (meistens), in welche Richtung ich gehen muss, um dort anzukommen, wo ich hinwill. Ich habe ein Lieblingscafé, eine Lieblingsbar, einen Lieblingsbuchladen ; all die Dinge, die dazugehören, dass eine Stadt « meine » Stadt ist. Wenn ich länger nicht hier war und zurückkomme, ist es, wie nach Hause zu kommen, die bekannten Gebäude und Strassen zu sehen.

Trotzdem hat sie nichts an ihrer Faszination verloren und es ist noch immer ein besonderes Gefühl, durch ihre Strassen zu laufen und hier sein zu können.

Natalie

ccfa.volo.culturel@gmail.com