Regards croisés

Ein Service Civique mit 18?

écrit par Ann-Christin Gelszat

« Und was studierst du? » Diese Frage ist mir in den knapp vier Wochen, die ich nun in Nantes lebe, immer wieder begegnet. Auf meine Antwort: « Ich habe noch nicht angefangen zu studieren, ich mache einen Service Civique im Centre Culturel Franco-allemand » erntete ich Erstaunen und mildes Unverständnis.

Ein Freiwilligendienst nach dem Abitur – was in Deutschland mittlerweile alltäglich geworden ist, wird in Frankreich eher als Kuriosität angesehen.

Unter deutschen Abiturienten ist es nach der Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes im Jahre 2011 heutzutage üblich, nach zwölf Jahren Schulzeit eine Auszeit vom Lernen, von Hausaufgaben und Klausuren zu nehmen und sich im In- oder Ausland in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten zu engagieren. Selbstverständlich gibt es auch jene, die nach dem bestandenen Abitur den « traditionellen » Weg beschreiten und direkt im Anschluss an die Schulzeit eine Ausbildung oder eine Studium beginnen. Viele deutsche Jugendliche nutzen jedoch die Möglichkeit des Freiwilligendienstes, um aus ihrer bisherigen Lebenswelt auszubrechen, der schulischen Theorie ein wenig lebensnahe Praxis hinzuzufügen, erste Einblicke in die Berufswelt zu erlangen, neue Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Bereichen zu sammeln und vielleicht fremde Kulturen kennenzulernen und Sprachkenntnisse aufzubessern. Mit Sicherheit ist es jedoch auch eine Phase der Selbstfindung und der Prägung. Nach zwölf Jahren, in denen das tägliche Umfeld vor allem aus der Schule und den Klassenkameraden bestand, in denen man zwar lernte, Gedichte zu analysieren, Karikaturen zu interpretieren und Matritzen zu multiplizieren, sich dabei jedoch immer wieder fragte, was man später damit anfangen kann, ist es oft schwierig, sich sofort zu entscheiden, welchen beruflichen Weg man letztendlich einschlagen möchte. Während des Freiwilligendienstes eröffnet sich eine Welt voller neuer Einflüsse und Berührungspunkte. In der Einsatzstelle trifft man auf die verschiedensten Menschen, die alle ihren ganz eigenen Werdegang, ihre Geschichte, Ideen und Ansichten mitbringen. Dieser Austausch mit Menschen aus einem völlig anderem Umfeld als dem eigenen  bietet neue Impulse, die eventuell maßgebend für eine spätere Laufbahn sein könnten. Diese Erfahrung hat meine ersten Wochen hier in Nantes im Besonderen geprägt, durfte ich doch so viele nette Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands und Frankreichs kennenlernen.

Des Weiteren ermöglicht einem ein Freiwilligendienst, zum ersten Mal wirklich Verantwortung zu übernehmen – eine wahre Schule des Lebens. Man testet sich aus, trifft auf Grenzen und schafft es mit ein klein wenig Arbeit, diese zu überwinden und über sich selbst hinauszuwachsen – einfach, weil man es muss. Man ist gezwungen, auf andere Leute zuzugehen, auch wenn es manchmal schwerfällt. Vor allem wenn man seinen Freiwilligendienst im Ausland tätigt, ist man auf ein gewisses Maß an Eigenständigkeit angewiesen. Ähnlich wie bei einem Auslandssemester findet man sich in einem wahren Labyrinth der Bürokratie wieder, durch das man sich zunächst kämpfen muss – eine Wohnung will gefunden, ein Konto eröffnet, ein Wohngeldzuschuss beantragt und eine Fahrkarte gekauft werden. Das erfordert viel Geduld und starke Nerven. Sich in ein fremdes System einzufinden braucht seine Zeit und die Vorgänge dauern dann meist doch ein klein wenig länger, als man es sich gewünscht hätte. Es kann passieren, dass man auf seinem Weg aus dem Labyrinth der Formulare ein paar Mal den falschen Weg einschlägt und plötzlich vor einer Sackgasse steht – oder dass man auf sonstige unvorhergesehene Hindernisse trifft.  Dann ist es wichtig, den Mut nicht zu verlieren, beharrlich zu bleiben und nicht zu verzweifeln.  Hat man es jedoch erst geschafft, kann man sich erst einmal für ein paar Minuten zurücklehnen und nicht ganz ohne Stolz darauf zurückblicken, was man selbst für sich geleistet hat. Allein durch den formellen Rahmen lernt man dazu, denn man ist plötzlich gezwungen, sich mit Dingen zu befassen, die einem vorher nie in den Sinn gekommen wären. In diesen formellen Angelegenheiten übernimmt man zunächst einmal Verantwortung für sich selbst – hinzu kommt anschliessend noch in der Arbeitsstelle eine viel grössere Verantwortung. In der Schule hat man zwölf Jahre lang mehr oder weniger für sich allein gekämpft. Nun hängt an der Tat des Einzelnen auch immer ein Stückchen der Ruf der Einsatzstelle. Während des Freiwilligendienstes, lernt man, damit umzugehen und auch ein neues Bewusstsein für seine Projekte zu entwickeln, umsichtiger zu werden.

Der Freiwilligendienst kann dabei ganz unterschiedlich aussehen : Freiwilligendienste, die im deutschen Inland geleistet werden sind unter anderem das Freiwillige Soziale Jahr (kurz FSJ), das FSJ Kultur oder Politik oder das Freiwillige Ökologische Jahr (kurz FÖJ) sowie der Bundesfreiwilligendienst. Doch auch für diejenigen, die es in die Ferne zieht, stehen alle Türen offen. Möglichkeiten sind hier der Europäische Freiwilligendienst (EFD) / Service Volontaire Européen (SVE) oder der Internationale Jugendfreiwilligendienst (ijfd).

Besonders im Rahmen der deutsch-französischen Partnerschaften gibt es für französische und deutsche Jugendliche eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich im Partnerland zu engagieren. So kann man beispielsweise im Rahmen des deutsch-französischen Freiwilligendienstes im Schul- und Hochschulbereich zehn Monate an einer Schule beziehungsweise einer Universität des Partnerlandes arbeiten und so einen tieferen Einblick in den akademischen Alltag des Partnerlandes gewinnen und auf verschiedene Weise wie die Unterstützung von Lehrern aber auch die Organisation eigener Aktivitäten die eigene Sprache fördern. Auch kann man sich im sozialen Bereich für andere engagieren. Für die  Sportlichen ist auch ein Freiwilligendienst im Sportbereich dabei. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, sich im Rahmen eines deutsch-französischen ökologischen Jahres / volontariat écologique franco-allemand für die Erhaltung unseres Planten zu engagieren. Vereint werden solidarische, soziale und alternative Ideen im volontariat franco-allemand des alternatives. Ausserdem können sich die Freiwilligen im kulturellen Bereich frei entfalten.  

Gerade hier im Centre Culturel Franco-allemand ist nahezu die ganze Palette an Freiwilligendiensten vertreten: Zum ersten Mal darf die Equipe eine deutsch-französische Freiwillige Kultur und eine deutsch-französische ökologische Freiwillige in ihren Reihen begrüssen. Und natürlich gibt es da auch immer noch meinen Posten des Service Civique, den auch Jugendliche aus dem Ausland antreten können.

Ein Freiwilligendienst mit achtzehn also – oder doch lieber ein Freiwilligendienst nach dem Studium wie es hier in Frankreich üblich ist ?

Ein Freiwilligendienst während oder nach einem abgeschlossenen Studium ist sicherlich eine Möglichkleit, sich den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern, sich vorher noch einmal auszuprobieren und vielleicht herauszufinden, in welche Richtung man später gehen möchte. Sicherlich hat ein fertiger Student den Vorteil, dass er bereits ein paar mehr Erfahrungen in Projektarbeit und im selbstständigen Arbeiten sammeln konnte als ein Schüler, die er bereits in seinen Freiwilligendienst mitbringt … Welcher Weg letztendlich besser ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Sicher ist jedoch, dass, egal in welcher Variante, ein Freiwilligendienst eine wertvolle und prägende Erfahrung darstellt, die für das weitere Leben von grosser Bedeutung sein kann.

Für mehr Informationen über die Geschichte und Entwicklung der deutsch-französischen Freiwilligendienste klicken Sie hier.


Une histoire de pont/Zum Thema Brücken(tag)

écrit par Justine Roussie

En France, le mois de mai fait office d’entraînement  aux grandes vacances. Les nombreux jours fériés essaimés tout au long du mois sont propices à une remise en jambe progressive pour retrouver ses habitudes de vacancier chevronné. Au tableau des exercices imposés figurent la recherche des lunettes de soleil et autres habits d’été, l’allumage du premier barbecue ou Angrillen, le tartinage de crème solaire et aussi les embouteillages sur les routes menant aux plages et autres lieux de farniente.

Le 1er mai, l’Ascension, le 8 mai et le lundi de Pentecôte offraient cette année quatre belles séances d’entraînement aux Français.  Quatre jours qui leur permettaient de s’adonner à une activité sportive peu risquée : faire le pont. Pour nos amis germanophones,  il ne s’agit pas ici de génie civil ou de yoga mais du fait de chômer le jour qui se trouve entre un jour férié et le week-end, ce fameux Brückentag. L’Ascension tombant cette année un jeudi, de nombreux Français ont posé leur vendredi pour avoir un week-end de quatre jours.

Malheureusement, c’était bien la seule occasion de faire le pont en ce mois de mai. En effet, le 1er et le 8 mai sont tous les deux tombés un dimanche. Et le lundi de Pentecôte est resté sans grande surprise fidèle à son nom.

Mais, de l’autre côté du Rhin, ou plutôt de la Moselle, nos amis sarrois ont eu*x étaient un peu plus chanceux… En effet, le jeudi 26 mai était un Feiertag et donc le vendredi 27 un Brückentag. Pourquoi donc ? Parce qu’ils  fêtaient le Fronleichnam. Pour ceux qui ne le savait pas, comme moi, il s’agit d’une fête catholique, la Fête-Dieu ou Saint-Sacrement, célébrant l’Eucharistie et qui a lieu soixante jours après Pâques. Elle est aussi fêtée dans le Baden-Wurtemberg, en Bavière, en Rhénanie-du-Nord-Westphalie, dans la Hesse, en Rhénanie-Palatinat et dans certaines villes de Saxe et de Thuringe.

Vous constaterez ici une certaine discrimination géographique concernant le nombre de jours fériés en Allemagne. A chaque Bundesland ses jours fériés ! Habituée à ne pas travailler à la Toussaint, je fus presque désespérée, lors de mon année Erasmus à Berlin, de devoir aller à l’université un 1er novembre. Et ce fut encore plus dur d’y aller un 14 juillet !

Mais une camarade de master allemande connu cette année le même désespoir.  Elle s’attendait à pouvoir célébrer le Vendredi saint comme dans sa région d’origine, le Bade-Wurtemberg.  Cependant le Karfreitag n’est pas un jour férié en France, enfin il ne l’est pas dans toute la France… L’Alsace et la Moselle célèbrent par exemple le Vendredi saint. Et ça tombe bien, puisque nous étudions principalement à Metz ! Mais c’était sans compter sur le fait que ce jour-là, le 25 mars 2016 donc, nous avions cours à l’Université du Luxembourg… où le Vendredi saint n’est pas férié !

Un conseil alors, avant de faire le pont, vérifiez bien qu’il y a un Brückentag là où vous habitez, que ce soit en France, en Allemagne, ou chez nos chers voisins européens.

 


Von Osterhasen und Osterglocken

par Chloé Gaboriau et Ursula Schweimler

Ostern ist weltweit ein Fest der Freude und wohl das wichtigste des Christentums, denn am Ostersonntag wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Hinsichtlich der Osterbräuche und -traditionen gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern !

In Deutschland ist das Osterfest untrennbar mit den Gedanken an die bunten Ostereier verbunden, die anlässlich des Festes viele Gärten und Wohnungen schmücken.

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Als Überbringer dieser Ostereier gilt der Osterhase, der aus der christlichen Ikonographie stammt und ein Symbol für die Auferstehung ist. Der religiöse Hintergrund des Osterfestes hat in den Köpfen der Menschen jedoch mittlerweile an Bedeutung verloren und die meisten verbinden das Osterfest vor allem mit der Tradition der Ostereiersuche : Am Morgen des Ostersonntags suchen die Kinder nach bunten Eiern und Süßigkeiten, welche der Osterhase für sie im Garten oder in Parks versteckt hat.

Durch die Kommerzialisierung des Osterfestes in der Populärkultur hat sich das Motiv des Osterhasen  in ganz Deutschland durchgesetzt und frühere Überbringer der Ostereier verdrängt. So glaubte man in weiten Teilen Westfalens früher an den Osterfuchs, während in Thüringen der Storch die Eier brachte und in Böhmen der Hahn. Deutsche Auswanderer brachten den Osterhasen auch in andere Teile der Welt, unter anderem nach Australien, wo der Osterhase kürzlich jedoch zum Osterbilby erklärt wurde, um auf die vom Aussterben bedrohten Riesenkaninchen, die Bilbys, aufmerksam zu machen und durch den Verkauf von Schokoladenbilbys Geld für einen Erhaltungsfonds zu sammeln :

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In Deutschland ist der Kult um den Osterhasen so stark ausgeprägt, dass ihm sogar ein eigenes Museum im Zentrum für außergewöhnliche Museen in München gewidmet war (bis 2005). Zudem gibt es drei Osterhasenpostämter, in denen Hanni Hase in Ostereistadtt (Niedersachsen), Olli Osterhase in Eibau (Sachen) und der Osterhase in Osterhausen (Sachsen-Anhalt) Briefe von Kindern beantworten.

Neben der Ostereiersuche zählt auch das Osterfeuer zu den bekanntesten deutschen Ostertraditionen, insbesondere auf den Dörfern des Nordens ist es stark verbreitet. Der Brauch geht auf die alten Germanen zurück, die mit dem Feuer das Winterende feierten und glaubten, dass es Glück bringe und Geister vertreibe, wenn man über die Flammen springe. In südlichen Teilen Deutschlands ist derweil das Brunnenputzen eine weitverbreitete Ostertradition : Die Dorfbrunnen werden mit Blumen, Zweigen und bunten Ostereiern geschmückt und oft entsteht daraus gar ein Wettkampf mit den umliegenden Dörfern.

 

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Zu einem gelungenen deutschen Osterfest zählt natürlich auch ein vorzügliches Ostermahl. Dies wird dadurch eingeleitet, dass am Gründonnerstag ein grünes Gemüse, zumeist Spinat, gegessen wird, das die Kraft des Frühlings symbolisiert. An Karfreitag wird traditionell Fisch gegessen. Am Samstag wird oftmals gebacken : Osterlämmer und Hefezöpfe sind in vielen Familien ein fester Brauch zu Ostern.

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Ob traditionelles Osterlamm oder Hasenbraten – am Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung Jesu, darf geschlemmt werden !

Et en France ?

Pâques est l’une des fêtes chrétiennes les plus importantes, elle emprunte son nom à la fête juive de Pessah et célèbre la résurrection de Jésus. Aujourd’hui elle est cependant moins célébrée pour son côté religieux que l’occasion de se réunir en famille et de profiter d’un long week-end au début du printemps.

En France, à l’occasion de Pâques, la tradition veut que les cloches survolent les jardins pour y déposer des œufs et des lapins en chocolat. Le dimanche de Pâques se transforme alors en grande chasse aux œufs dans les jardins pour tous les enfants !

Mais pourquoi les œufs ? L’œuf est symbole de fécondité, de vie et de renaissance, il a alors été assimilé avec la résurrection du Christ dans la religion chrétienne. Par ailleurs il marque la fin des privations imposées par le Carême (temps de jeûne qui débute 40 jours avant Pâques), pendant lequel on ne mangeait pas d’œufs. Historiquement la fin du Carême était célébrée en mangeant les œufs de poules accumulés pendant cette période. Depuis le XIXe siècle, ceux-ci ont été remplacés par des œufs en chocolat. Si la légende veut que les œufs soient déposés dans les jardins par les cloches, c’est parce que à partir du jeudi précédant Pâques les cloches des églises catholiques doivent se taire en signe de deuil, elles ne se remettent à sonner que dans la nuit du samedi au dimanche de Pâques pour annoncer la résurrection. Pendant longtemps on a raconté aux enfants que, durant ces quelques jours, les cloches partaient à Rome pour se faire bénir par le pape, et ramenaient avec elles les œufs en chocolat qu’elles semaient dans les jardins sur leur sillage – légende cependant peu racontée aujourd’hui.

Alors à tous les gourmands, régalez-vous de chocolat le dimanche de Pâques !


[ɛskə] c’est possible ?

par Eske Ewen
 

Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat, pardon – mais [ɛskə] c’est possible? Diese Frage wurde mir – vielleicht zu Recht – in den letzten Wochen oft gestellt. Übrigens fast genauso oft wie: „Pardon, mais votre prénom…?!“ beziehungsweise „Entschuldigen Sie, wie war Ihr Vorname noch gleich – Elke?“ und „C’est un nom, ça?“ oder „Also, den Namen habe ich wirklich noch nie gehört, klingt sehr skandinavisch.“ Naja, fast. In Norwegen tummeln sich (laut facebook) zwar auch einige Eskes, doch scheinen sie alle männlich zu sein. Eske ist zudem ein Nachname. Ich erinnere mich an einen Arztbesuch in Potsdam, bei dem die Assistentin am Empfang mir mitteilte, dass ich die letzten zwanzig Jahre lang ohne Vornamen gelebt haben muss: „Hören Sie mal, meine Freundin heißt Eske mit Nachnamen, Sie können also nicht Eske mit Vornamen heißen.“ So ein Pech, und jetzt?

In Frankreich dauert es immer einen kleinen Moment, mich vorzustellen. Eske, gesprochen [ɛskə], wie soll das denn auch ein Name sein, „est-ce que“ ist schließlich nicht einmal ein richtiges Wort! In der Schule wurde mir „est-ce que“ als „französische Frageformel“ vorgestellt – absolut unabdingbar, um auf Französisch auch nur die kleinste Frage zu stellen. „Est-ce que vous avez fait vos devoirs?“ (Habt ihr eure Hausaufgaben gemacht?) war damals mit Abstand die unbeliebteste. Immerhin sorgt diese anfängliche, irgendwo auch sehr sympathische Verständnisschwierigkeit oft dafür, dass sich französische Muttersprachler meinen Namen sehr gut merken können.

Obwohl viele Menschen meinen Namen zum ersten Mal hören, wenn sie auf mich treffen, bin ich natürlich nicht die einzige Eske in Deutschland – in einer kleinen Region direkt an der Nordseeküste, zwischen Wilhelmshaven und den Niederlanden, habe ich viele Namensvetterinnen. Diese Region heißt Ostfriesland und dort gilt Eske als traditioneller weiblicher Vorname. Übrigens dürfte Kunstliebhabern der Name Eske recht vertraut sein, da Eske Nannen, meine wohl bekannteste Namensverwandte, die Kunsthalle in Emden / Ostfriesland leitet.

Die Katze ist aus dem Sack: Mein Name und ich, wir kommen aus Ostfriesland, nicht aus dem Saarland. Nach dem Abitur habe ich in Potsdam, Montpellier, Düsseldorf, Wien und Nantes gelebt und konnte Saarbrücken bisher nur durch Erzählungen, Texte und viel zu kurze Aufenthalte vor Ort entdecken.

Um eure Frage aufzugreifen: Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat, pardon – mais [ɛskə] c’est possible?

Saarbrücken ist eine der vier QuattroPole-Städte, das Saarland Teil der Großregion. Frankreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland liegen sich dort so nahe, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Alltag gehört. Gemeinsame, länderübergreifende Kulturprojekte bereichern die Region. Viele Menschen lernen die Muttersprache ihrer Nachbarn und arbeiten nicht in dem Land, in dem sie wohnen. Wenn ich an Saarbrücken denke, gehört all dies für mich dazu. Ganz neu ist dies für mich nicht. Ostfriesland bildet die Grenzregion zwischen Deutschland und den Niederlanden und die (deutschen) Ostfriesen fühlen sich den (niederländischen) Groningern und Friesen kulturell manchmal näher als ihren eigenen Landsleuten aus anderen Regionen Deutschlands. Doch Saarbrücken beteiligt sich nicht nur an der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Nachbarn aus der Lorraine. Seit mehr als einem halben Jahrhundert besteht nun die Städtepartnerschaft mit Nantes, im Rahmen derer zahlreiche Austauschprojekte entstanden sind. Ohne das große Engagement und die (finanzielle) Unterstützung der beiden Stadtverwaltungen sowie vieler Vereine, Organisationen und Schulen wäre dies nicht möglich gewesen. Viele Menschen jeden Alters tragen auf vielfältige Weise seit langem dazu bei, dass die Städtepartnerschaft mehr bedeutet als nur eine Unterschrift auf einem offiziellen Dokument. Mit meiner Arbeit im Centre Culturel Franco-Allemand möchte ich mich dafür einsetzen, dass kulturelle Akteure und Jugendliche beider Städte sich kennenlernen, sich austauschen und etwas Neues schaffen, einen neuen Knoten im Netz der deutsch-französischen Freundschaft. Wichtig dabei ist die Neugierde. Die Neugierde, neue Menschen zu treffen, neue Vereine oder eine neue Stadt zu entdecken. Die Neugierde, sich für ein Kultur-, Wissenschafts- oder Umweltprojekt einzusetzen und zu schauen, was dabei herauskommt und wie es die Beteiligten und ihre Umgebung (positiv) verändert. Ich bin neugierig auf Nantes, auf Saarbrücken, auf deren Bewohner, Institutionen und Vereine, auf deren Leben, Ideen, Traditionen und Visionen und auf die kulturelle deutsch-französische Zusammenarbeit.

Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat, pardon – mais [ɛskə] c’est possible?

Ich durfte bereits viele Akteure in beiden Städten treffen, die meisten von ihnen sind bereits im Austausch mit der Partnerstadt, andere sind stark daran interessiert. Sie alle sind mir herzlich und offen begegnet und sind – wie ich – neugierig auf neue gemeinsame Projekte. Nun geht es darum, zusammen die Ideen in Taten umzusetzen und dafür zu sorgen, dass viele Nanteser und Saarbrücker Jugendliche von ihnen profitieren und – wenn möglich – auch ihre Partnerstadt entdecken können. Ich wünsche mir, dass wir am Ende meines Jahres resümieren können: Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat? – Oui, c’était possible.


Das 13. Univerciné Allemand: Ein Blick hinter die Kulissen

par Sebastian Lang

Bei einem Besuch des diesjährigen Filmfestivals Univerciné Allemand mag der ein oder andere Nantaiser Besucher inmitten des Spektakels und Auflaufs an Stars und Sternchen vielleicht einmal in sich gegangen sein und sich gefragt haben: Moment, ist der Herd aus?

Ebenso mag sich der ein oder andere auch die Fragen gestellt haben, die so manchem Ägyptenreisenden durch den Kopf gehen, wenn er denn einen ersten ehrfürchtigen Blick auf die großen Pyramiden von Gizee wirft: Alter? Geht’s noch? Kann all dies von simpler Menschenhand, mit einfachsten Mitteln, vor Tausenden von Jahren erschaffen worden sein?

Die Antwort lautet Nein.

Tatsächlich waren an der Organisation des Festivals Univerciné Allemand nicht nur einfache Homo Sapiens beteiligt. Direktor Martin Krechting und Praktikant Sebastian Lang sind, wie Regenschirme, Über-Menschen. Dies sollte spätestens jetzt jedem klar sein, auch und vor allem deswegen, da das Festival Univerciné Allemand zwar mit ähnlichen technischen Mitteln, jedoch in viel kürzerer Zeit als die Pyramiden entstanden ist.

Viele Legenden und wilde Geschichten ranken sich um die mysteriösen zwei Monate, in denen Krechting und Lang ihr vorläufiges Vermächtnis für die verdutzte Nachwelt schufen. Nicht alle diese Geschichten sind wahr, und um endlich Greenpeace und Amnesty International vom Hals zu haben, wollen wir nun Licht ans Ende des Tunnels der Festivalorganisation bringen. Um alle Klarheiten zu beseitigen, werfe ich selbst, Sebastian Ludwig Lang, einen mutigen Blick hinter die Kulissen, und einen noch waghalsigeren hinter die Teppichwände des CCFA.

Dort, unter der starken Führhand und einer ebenfalls bemerkenswerten Rückhand des Präsidenten Monsieur Chateigner, versammelten Krechting und Lang zunächst ihre Jünger, französisch Bénévoles, um sich. Diese fleißigen Bienchen, ach, was red ich, Wespen, ne, komm, fleißige Hornissen und Hummeln waren es, die, erst einmal entfesselt, wie wild untertitelten, Kurzfilmprogramme zusammenstellten, und sich gegenseitig beim jeweiligen Vornamen anredeten. Ja, so familiär ging es zu.

Dabei war für die international erfahrenen Geschäfts- und Lebemänner Krechting und Lang schon früh klar, dass Geld sehr wichtig sein würde, wenn auch nur finanziell betrachtet. Nach riskanten Börsengeschäften von am Festival vollkommen unbeteiligten Personen entscheidet sich das Gespann Krechting und Lang ein Sandwich holen zu gehen. Martin Krechting erkennt relativ schnell, dass damit seine kulinarischen Ziele erreicht sind, doch Lang will es wissen und investiert darüber hinaus in ein sogenanntes pain au chocolat und einen Kaffee. Ja, wir waren schnell unten beim Bäcker – so fasst er die Ereignisse gekonnt zusammen. Was genau er damit meint, bleibt unklar.

Bei der Zusammenstellung des Festivalprogramms selbst analysierten Krechting und Lang zunächst den Wortursprung der Veranstaltungsbezeichnung. „Filmfestival“ setze sich zusammen aus den Worten Film und Festival, so Krechting, und darin stecke ja schon das Wort Film, daher lag es nahe, auch tatsächlich Filme zu zeigen. „Uns war relativ schnell klar, dass wir Filme zeigen wollen. Dass das Festival in einem Kino stattfindet, kam uns dabei natürlich enorm entgegen. Vielen Dank nochmal an das Katorza,“ so Lang beim Selbstgespräch in seiner Villa am Starnberger See. Diese Villa, so Lang, existiere nicht, und er sei auch noch nie dort gewesen. Das Fehlen von Videomaterial, das ihn beim Betreten der Villa zeigt, belegt diese Aussage.

Das Festival war ein voller Erfolg. Dabei gab es auch Probleme. Gerade am Anfang der Zusammenarbeit von Krechting und Lang knisterte es. „Martin ist ein sehr dunkelhaariger Mensch,“ so Lang. „Er ist immer pünktlich, zuvorkommend, und ein guter Zuhörer. Auf Dauer ist das sehr angenehm.“ Auch Krechting lässt an seinem Mitstreiter kein krummes Haar: „Sebastian ist Bayer,“ so klagt er. „Und am Anfang der Festivalorganisation ging auch wirklich gar nichts voran. Das war schon frustrierend. Aber dann haben wir uns einfach mal hingesetzt, und das war schon viel bequemer. In einer dreistündigen Besprechung haben wir dann das Problem identifiziert und uns entschieden, einfach mal anzufangen. Rückblickend betrachtet war das tatsächlich der richtige Schritt. Von da an tat sich etwas.“

Nun ist die Zusammenarbeit allerdings schon wieder fast zu Ende.

Sebastian Lang verlässt das CCFA mit unbekanntem Ziel.

Doch welche Lehren konnte er aus seiner Zeit am CCFA ziehen?

Man kann im Leben nie wissen, wie spät es ist, so Lang. Aber man könne lernen, die Uhr zu lesen. Dies sei zwar nicht immer einfach, bringe einen aber auf Dauer weiter. Er hätte während seiner Zeit mit Martin Krechting gelernt, dass es irgendetwas mit der Konstellation der Zeiger zu tun hat. Nun ist er motiviert, dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Er bedankt sich herzlichst für die Zusammenarbeit mit seinen von ihm immer sehr geschätzten Kollegen, allen voran Claire Imbert, die ihm immer wie eine Katze war; Raphael Brühne, der trotz seines hohen Amtes nie mit Bodyguards zur Arbeit kam; Ann-Isabelle Schneider, die selbst sinnloseste Texte im Newsletter veröffentlichte; Bettina Graupner, die seit Goethe mehr für die deutsche Sprache getan hat als Schiller; Monsieur Chateigner, der der Boss und Baba ist und bleibt; und natürlich Martin Krechting, dem einzig wahren.