Das 13. Univerciné Allemand: Ein Blick hinter die Kulissen

par Sebastian Lang

Bei einem Besuch des diesjährigen Filmfestivals Univerciné Allemand mag der ein oder andere Nantaiser Besucher inmitten des Spektakels und Auflaufs an Stars und Sternchen vielleicht einmal in sich gegangen sein und sich gefragt haben: Moment, ist der Herd aus?

Ebenso mag sich der ein oder andere auch die Fragen gestellt haben, die so manchem Ägyptenreisenden durch den Kopf gehen, wenn er denn einen ersten ehrfürchtigen Blick auf die großen Pyramiden von Gizee wirft: Alter? Geht’s noch? Kann all dies von simpler Menschenhand, mit einfachsten Mitteln, vor Tausenden von Jahren erschaffen worden sein?

Die Antwort lautet Nein.

Tatsächlich waren an der Organisation des Festivals Univerciné Allemand nicht nur einfache Homo Sapiens beteiligt. Direktor Martin Krechting und Praktikant Sebastian Lang sind, wie Regenschirme, Über-Menschen. Dies sollte spätestens jetzt jedem klar sein, auch und vor allem deswegen, da das Festival Univerciné Allemand zwar mit ähnlichen technischen Mitteln, jedoch in viel kürzerer Zeit als die Pyramiden entstanden ist.

Viele Legenden und wilde Geschichten ranken sich um die mysteriösen zwei Monate, in denen Krechting und Lang ihr vorläufiges Vermächtnis für die verdutzte Nachwelt schufen. Nicht alle diese Geschichten sind wahr, und um endlich Greenpeace und Amnesty International vom Hals zu haben, wollen wir nun Licht ans Ende des Tunnels der Festivalorganisation bringen. Um alle Klarheiten zu beseitigen, werfe ich selbst, Sebastian Ludwig Lang, einen mutigen Blick hinter die Kulissen, und einen noch waghalsigeren hinter die Teppichwände des CCFA.

Dort, unter der starken Führhand und einer ebenfalls bemerkenswerten Rückhand des Präsidenten Monsieur Chateigner, versammelten Krechting und Lang zunächst ihre Jünger, französisch Bénévoles, um sich. Diese fleißigen Bienchen, ach, was red ich, Wespen, ne, komm, fleißige Hornissen und Hummeln waren es, die, erst einmal entfesselt, wie wild untertitelten, Kurzfilmprogramme zusammenstellten, und sich gegenseitig beim jeweiligen Vornamen anredeten. Ja, so familiär ging es zu.

Dabei war für die international erfahrenen Geschäfts- und Lebemänner Krechting und Lang schon früh klar, dass Geld sehr wichtig sein würde, wenn auch nur finanziell betrachtet. Nach riskanten Börsengeschäften von am Festival vollkommen unbeteiligten Personen entscheidet sich das Gespann Krechting und Lang ein Sandwich holen zu gehen. Martin Krechting erkennt relativ schnell, dass damit seine kulinarischen Ziele erreicht sind, doch Lang will es wissen und investiert darüber hinaus in ein sogenanntes pain au chocolat und einen Kaffee. Ja, wir waren schnell unten beim Bäcker – so fasst er die Ereignisse gekonnt zusammen. Was genau er damit meint, bleibt unklar.

Bei der Zusammenstellung des Festivalprogramms selbst analysierten Krechting und Lang zunächst den Wortursprung der Veranstaltungsbezeichnung. „Filmfestival“ setze sich zusammen aus den Worten Film und Festival, so Krechting, und darin stecke ja schon das Wort Film, daher lag es nahe, auch tatsächlich Filme zu zeigen. „Uns war relativ schnell klar, dass wir Filme zeigen wollen. Dass das Festival in einem Kino stattfindet, kam uns dabei natürlich enorm entgegen. Vielen Dank nochmal an das Katorza,“ so Lang beim Selbstgespräch in seiner Villa am Starnberger See. Diese Villa, so Lang, existiere nicht, und er sei auch noch nie dort gewesen. Das Fehlen von Videomaterial, das ihn beim Betreten der Villa zeigt, belegt diese Aussage.

Das Festival war ein voller Erfolg. Dabei gab es auch Probleme. Gerade am Anfang der Zusammenarbeit von Krechting und Lang knisterte es. „Martin ist ein sehr dunkelhaariger Mensch,“ so Lang. „Er ist immer pünktlich, zuvorkommend, und ein guter Zuhörer. Auf Dauer ist das sehr angenehm.“ Auch Krechting lässt an seinem Mitstreiter kein krummes Haar: „Sebastian ist Bayer,“ so klagt er. „Und am Anfang der Festivalorganisation ging auch wirklich gar nichts voran. Das war schon frustrierend. Aber dann haben wir uns einfach mal hingesetzt, und das war schon viel bequemer. In einer dreistündigen Besprechung haben wir dann das Problem identifiziert und uns entschieden, einfach mal anzufangen. Rückblickend betrachtet war das tatsächlich der richtige Schritt. Von da an tat sich etwas.“

Nun ist die Zusammenarbeit allerdings schon wieder fast zu Ende.

Sebastian Lang verlässt das CCFA mit unbekanntem Ziel.

Doch welche Lehren konnte er aus seiner Zeit am CCFA ziehen?

Man kann im Leben nie wissen, wie spät es ist, so Lang. Aber man könne lernen, die Uhr zu lesen. Dies sei zwar nicht immer einfach, bringe einen aber auf Dauer weiter. Er hätte während seiner Zeit mit Martin Krechting gelernt, dass es irgendetwas mit der Konstellation der Zeiger zu tun hat. Nun ist er motiviert, dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Er bedankt sich herzlichst für die Zusammenarbeit mit seinen von ihm immer sehr geschätzten Kollegen, allen voran Claire Imbert, die ihm immer wie eine Katze war; Raphael Brühne, der trotz seines hohen Amtes nie mit Bodyguards zur Arbeit kam; Ann-Isabelle Schneider, die selbst sinnloseste Texte im Newsletter veröffentlichte; Bettina Graupner, die seit Goethe mehr für die deutsche Sprache getan hat als Schiller; Monsieur Chateigner, der der Boss und Baba ist und bleibt; und natürlich Martin Krechting, dem einzig wahren.

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