Unterwegs mit dem DeutschMobil

« Hallo, ich bin … » – « Rodolphe! »

 

stephanMit dem DeutschMobil unterwegs oder wie ich die eigene Sprache neu entdeckte
Ein Stuhlkreis in einer nanteser Schule, etwa 30 zappelige Schüler einer cinquième und mitten drin und gut gelaunt : Stephan Schmidt, der « Deutschmobilist ». Ich darf live dabei sein bei einer seiner interventions. Während Stephan sich vorstelllt, macht er wohlweislich nach « Ich bin.. » eine Pause – einige Schüler rufen « Rodolphe » und auch « Ja, ja, deutsche Qualität ».
Offenbar ist dies nicht der erste Kontakt mit der Fremdsprache – zumindest nicht für die, die französische Fernsehwerbung schauen…

stephan2Deutsch ist gar nicht so schwer…
Erstaunlich ist für mich, dass eine quasi instinktive Sprachannäherung bei den Kindern gut funktionniert : Stephan spricht zunächst nur Deutsch und doch können die Kinder die fremden Worte auf den von ihm ausgeteilten Karten an den richtigen Stellen seiner Erzählung zeigen und scheinen die dem Französischen nicht unähnlichen Worte wie Familie, Meer, Alpen und Universität zu verstehen und ihnen neugierig entgegen zu treten.

Liebe Lehrer, bitte nicht intervenieren, wenn es laut wird!
Dies ist keine gewöhnliche Unterrrichtsstunde für kleine Franzosen. Es darf hereingerufen werden ohne aufzuzeigen, sie dürfen sich bewegen, mit einem Ball spielen, in zwei Gruppen ein Quiz lösen und nur, wenn es so laut wird, dass Stephan nichts mehr versteht, wird er leise – und dann auch die Schüler, die neugierig darauf sind, was ihr deutscher animateur als nächstes erzählt.

 

« Wohnungsbaugenossenschaftsgesellschaftervertrag » – im Deutschen werden Wörter durch Komposition gebildetvisiteDM1Als Stephan erklärt, dass und wieso nur die deutsche Sprache ein Eszett besitzt, bin ich erstaunt, Neues zu lernen, denn darüber hatte ich noch nie nachgedacht. Ebenso wenig darüber, was denn das deutsche längste Wort sei – ein Mädchen, das schon Deutsch gelernt hat, erklärt dann, dass in einer Sprache, in der Wörter durch Komposition gebildet werden, theoretisch unendlich lange Worte gebildet werden können – da hilft es nichts zu wissen, dass das längste französische Wort « anticonstitutionellement » ist.

Deutsche Schüler haben es schwer
stephan2Die cinquième sieht ein, dass es für deutsche Altersgenossen ganz schön schwer sein muss, Französisch zu lernen. Denn für « esquimau » gibt es scheinbar tausendundeine mögliche Schreibweisen, wohingegen Deutsch im Prinzip geschrieben wie gesprochen wird.

Ein bisschen Bildung muss sein
Das Lernen einer Sprache beinhaltet natürlich u.a. die jeweilige Situierung in der Kultur, Geschichte und Geographie eines Landes. Deshalb wird etwa von Stephan nachgefragt und erläutert, wieso überhaupt eine Mauer in Berlin gebaut worden ist und welche Meere Deutschland begrenzen – weder das Rote, noch das chinesische, wie Schüler vermuten.

« C’était marrant » sagt eine Schülerin im Hinausgehen
Für einen ersten positiven Eindruck der deutschen Sprache scheint Stephan also alles richtig gemacht zu haben. Da bleibt zu hoffen, dass nun viele Schüler es wagen, Deutsch zu lernen und langfristig die Deutsch-Französischen Beziehungen stärken werden…

 

Anne Christine Knoth, Praktikantin im CCFA, begleitete Stephan Schmidt einen Morgen in eine nanteser Schule

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