[ɛskə] c’est possible ?

par Eske Ewen
 

Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat, pardon – mais [ɛskə] c’est possible? Diese Frage wurde mir – vielleicht zu Recht – in den letzten Wochen oft gestellt. Übrigens fast genauso oft wie: „Pardon, mais votre prénom…?!“ beziehungsweise „Entschuldigen Sie, wie war Ihr Vorname noch gleich – Elke?“ und „C’est un nom, ça?“ oder „Also, den Namen habe ich wirklich noch nie gehört, klingt sehr skandinavisch.“ Naja, fast. In Norwegen tummeln sich (laut facebook) zwar auch einige Eskes, doch scheinen sie alle männlich zu sein. Eske ist zudem ein Nachname. Ich erinnere mich an einen Arztbesuch in Potsdam, bei dem die Assistentin am Empfang mir mitteilte, dass ich die letzten zwanzig Jahre lang ohne Vornamen gelebt haben muss: „Hören Sie mal, meine Freundin heißt Eske mit Nachnamen, Sie können also nicht Eske mit Vornamen heißen.“ So ein Pech, und jetzt?

In Frankreich dauert es immer einen kleinen Moment, mich vorzustellen. Eske, gesprochen [ɛskə], wie soll das denn auch ein Name sein, „est-ce que“ ist schließlich nicht einmal ein richtiges Wort! In der Schule wurde mir „est-ce que“ als „französische Frageformel“ vorgestellt – absolut unabdingbar, um auf Französisch auch nur die kleinste Frage zu stellen. „Est-ce que vous avez fait vos devoirs?“ (Habt ihr eure Hausaufgaben gemacht?) war damals mit Abstand die unbeliebteste. Immerhin sorgt diese anfängliche, irgendwo auch sehr sympathische Verständnisschwierigkeit oft dafür, dass sich französische Muttersprachler meinen Namen sehr gut merken können.

Obwohl viele Menschen meinen Namen zum ersten Mal hören, wenn sie auf mich treffen, bin ich natürlich nicht die einzige Eske in Deutschland – in einer kleinen Region direkt an der Nordseeküste, zwischen Wilhelmshaven und den Niederlanden, habe ich viele Namensvetterinnen. Diese Region heißt Ostfriesland und dort gilt Eske als traditioneller weiblicher Vorname. Übrigens dürfte Kunstliebhabern der Name Eske recht vertraut sein, da Eske Nannen, meine wohl bekannteste Namensverwandte, die Kunsthalle in Emden / Ostfriesland leitet.

Die Katze ist aus dem Sack: Mein Name und ich, wir kommen aus Ostfriesland, nicht aus dem Saarland. Nach dem Abitur habe ich in Potsdam, Montpellier, Düsseldorf, Wien und Nantes gelebt und konnte Saarbrücken bisher nur durch Erzählungen, Texte und viel zu kurze Aufenthalte vor Ort entdecken.

Um eure Frage aufzugreifen: Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat, pardon – mais [ɛskə] c’est possible?

Saarbrücken ist eine der vier QuattroPole-Städte, das Saarland Teil der Großregion. Frankreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland liegen sich dort so nahe, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Alltag gehört. Gemeinsame, länderübergreifende Kulturprojekte bereichern die Region. Viele Menschen lernen die Muttersprache ihrer Nachbarn und arbeiten nicht in dem Land, in dem sie wohnen. Wenn ich an Saarbrücken denke, gehört all dies für mich dazu. Ganz neu ist dies für mich nicht. Ostfriesland bildet die Grenzregion zwischen Deutschland und den Niederlanden und die (deutschen) Ostfriesen fühlen sich den (niederländischen) Groningern und Friesen kulturell manchmal näher als ihren eigenen Landsleuten aus anderen Regionen Deutschlands. Doch Saarbrücken beteiligt sich nicht nur an der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Nachbarn aus der Lorraine. Seit mehr als einem halben Jahrhundert besteht nun die Städtepartnerschaft mit Nantes, im Rahmen derer zahlreiche Austauschprojekte entstanden sind. Ohne das große Engagement und die (finanzielle) Unterstützung der beiden Stadtverwaltungen sowie vieler Vereine, Organisationen und Schulen wäre dies nicht möglich gewesen. Viele Menschen jeden Alters tragen auf vielfältige Weise seit langem dazu bei, dass die Städtepartnerschaft mehr bedeutet als nur eine Unterschrift auf einem offiziellen Dokument. Mit meiner Arbeit im Centre Culturel Franco-Allemand möchte ich mich dafür einsetzen, dass kulturelle Akteure und Jugendliche beider Städte sich kennenlernen, sich austauschen und etwas Neues schaffen, einen neuen Knoten im Netz der deutsch-französischen Freundschaft. Wichtig dabei ist die Neugierde. Die Neugierde, neue Menschen zu treffen, neue Vereine oder eine neue Stadt zu entdecken. Die Neugierde, sich für ein Kultur-, Wissenschafts- oder Umweltprojekt einzusetzen und zu schauen, was dabei herauskommt und wie es die Beteiligten und ihre Umgebung (positiv) verändert. Ich bin neugierig auf Nantes, auf Saarbrücken, auf deren Bewohner, Institutionen und Vereine, auf deren Leben, Ideen, Traditionen und Visionen und auf die kulturelle deutsch-französische Zusammenarbeit.

Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat, pardon – mais [ɛskə] c’est possible?

Ich durfte bereits viele Akteure in beiden Städten treffen, die meisten von ihnen sind bereits im Austausch mit der Partnerstadt, andere sind stark daran interessiert. Sie alle sind mir herzlich und offen begegnet und sind – wie ich – neugierig auf neue gemeinsame Projekte. Nun geht es darum, zusammen die Ideen in Taten umzusetzen und dafür zu sorgen, dass viele Nanteser und Saarbrücker Jugendliche von ihnen profitieren und – wenn möglich – auch ihre Partnerstadt entdecken können. Ich wünsche mir, dass wir am Ende meines Jahres resümieren können: Eine „Junge Botschafterin aus Saarbrücken in Nantes“, die weder aus Saarbrücken kommt, noch dort studiert hat? – Oui, c’était possible.

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